13 October 2026

Suhler Machtdemonstration

Keine Geschenke im Rabennest – Suhls Wolfsrudel zeigt seine Meisterklasse

Rote Raben Vilsbiburg – VfB Suhl LOTTO Thüringen 0:3 (16:25, 13:25, 18:25)

Wie stark würde der Aufsteiger tatsächlich sein? Welche Herausforderungen warteten auf den Deutschen Meister? Vor dem Auswärtsspiel des VfB Suhl LOTTO Thüringen bei den Roten Raben Vilsbiburg waren diese Fragen keineswegs einfach zu beantworten. Nach dem Wiederaufstieg aus der 2. Bundesliga Pro und der Verpflichtung mehrerer neuer Spielerinnen ließ sich die tatsächliche Leistungsstärke der Niederbayerinnen nur schwer einschätzen. Hinzu kam, dass die Roten Raben bereits bei ihrem Saisonauftakt gegen Schwarz-Weiß Erfurt mit einer kämpferischen Leistung auf sich aufmerksam gemacht und erst im Tiebreak verloren hatten.

Für das Suhler Wolfsrudel war deshalb Vorsicht geboten. Schließlich traf man auf einen traditionsreichen Rivalen, der nach über zwei Jahren Abstinenz seine Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse vor heimischem Publikum feiern wollte.

Doch was die mehr als 1.300 Zuschauer am Dienstagabend, dem 13. Oktober 2026, in der Vilsbiburger Ballsporthalle erlebten, war vor allem eines: eine eindrucksvolle Demonstration Suhler Meisterklasse.

Kurzes Aufbäumen – dann übernimmt der Meister

Zunächst schien der Aufsteiger tatsächlich für eine Überraschung sorgen zu können. Nach einer frühen Suhler Führung kämpften sich die Gastgeberinnen zurück und gingen zwischenzeitlich selbst in Führung.

Doch die Thüringerinnen ließen sich davon nicht beeindrucken. Mit zunehmender Spieldauer übernahmen sie die Kontrolle. Lara Nagels dirigierte das Angriffsspiel mit großer Übersicht und setzte ihre Mitspielerinnen immer wieder wirkungsvoll in Szene.

Ob Hannah Hartmann, Svea Naujack, Lucia Herdova oder Kapitänin Roosa Laakkonen – die Angriffsvarianten des Wolfsrudels stellten Vilsbiburg vor kaum lösbare Aufgaben.

Druckvolle Aufschläge, eine stabile Block-Feldabwehr und konsequent abgeschlossene Angriffe bestimmten zunehmend das Geschehen. Nach 24 Minuten ging der erste Satz mit 25:16 verdient an Suhl.

Suhler Überlegenheit wird immer deutlicher

Im zweiten Durchgang ließ der Titelverteidiger keinen Zweifel daran aufkommen, wer an diesem Abend die spielbestimmende Mannschaft war.

Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel am Netz. Emma Boyd und Lucia Herdova setzten mit einem erfolgreichen Doppelblock zum 13:6 ein deutliches Zeichen. Wenig später führte Suhl bereits mit 19:7.

Die Gastgeberinnen kämpften zwar leidenschaftlich, fanden jedoch kaum Mittel gegen die konzentriert auftretenden Thüringerinnen. Mit 25:13 ging auch der zweite Satz klar an das Wolfsrudel.

Im dritten Durchgang zeigten die Roten Raben noch einmal ihren Kampfgeist. Doch Suhl blieb abgeklärt, nutzte seine Chancen und entschied auch diesen Satz mit 25:18 für sich.

Nach nur 67 Minuten war der souveräne 3:0-Auswärtserfolg perfekt.

Respekt vom Gegner – Selbstvertrauen für Suhl

Wie groß der Leistungsunterschied an diesem Abend tatsächlich war, verdeutlichten auch die Reaktionen der Gastgeberinnen. Raben-Kapitänin Pia Fernau verwies nach der Begegnung auf die Qualität des dreifachen Titelträgers. Trainer Guillermo Gallardo räumte ein, dass seine Mannschaft gegen diesen Gegner noch nicht mithalten konnte und Zeit für ihre Entwicklung benötige.

Besonders bemerkenswert: Selbst die Vilsbiburger Vereinsberichterstattung würdigte die spielerische Überlegenheit der Thüringerinnen.

Für den VfB Suhl war dieser Erfolg weit mehr als ein weiterer Pflichtsieg. Die Mannschaft bewies, dass sie auch nach den historischen Erfolgen der vergangenen Saison nichts von ihrer Entschlossenheit verloren hat.

Zwei Bundesligaspiele, zwei Siege, sechs gewonnene Sätze und kein einziger Satzverlust – eine beeindruckende Bilanz zum Saisonauftakt.

Damit übernahm das Wolfsrudel zunächst die Tabellenführung. Die kommenden Begegnungen gegen Hamburg, Stuttgart, Schwerin und Dresden würden allerdings zeigen, wie gefestigt die Mannschaft im Vergleich zu den stärksten Konkurrenten tatsächlich ist.

Eines machte dieser Abend in Vilsbiburg bereits deutlich: 

Wer den Deutschen Meister schlagen will, muss sich auf ein Wolfsrudel einstellen, das hungrig geblieben ist.