Ein Abend, an dem wenig gelang
Schwerin beendet die Suhler Erfolgsserie in der Wolfsgrube
Es gibt Abende im Sport, an denen eine Mannschaft alles versucht und dennoch kaum eine Möglichkeit findet, einem überlegenen Gegner ernsthaft gefährlich zu werden. Einen solchen Abend erlebte der VfB Suhl LOTTO Thüringen am Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, in der heimischen Wolfsgrube. Gegen den SSC Palmberg Schwerin mussten sich die Thüringerinnen nach drei Sätzen mit 0:3 (18:25, 17:25, 15:25) geschlagen geben.
Dabei waren die Erwartungen an diese Begegnung durchaus hoch. Schließlich trafen zwei Mannschaften aufeinander, die seit Jahren zu den festen Größen des deutschen Frauenvolleyballs gehören. Der VfB Suhl ging als amtierender Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercup-Gewinner in die Partie. Doch an diesem Abend sollte sich zeigen, dass vergangene Erfolge keine Garantie für neue Siege sind.
Ein Gegner mit einem klaren Plan
Schon in den ersten Ballwechseln wurde deutlich, dass Schwerins Trainer Felix Koslowski seine Mannschaft hervorragend auf diese Begegnung vorbereitet hatte. Der erfahrene Coach, der einst selbst drei Jahre in Suhl tätig war, schien genau zu wissen, mit welchen Mitteln er das Spiel der Thüringerinnen empfindlich stören konnte.
Sein taktisches Konzept war ebenso wirkungsvoll wie konsequent umgesetzt. Mit druckvollen Aufschlägen sollte die Suhler Annahme aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Gleichzeitig galt es, die eigenen Angriffe variabel und mit hoher Geschwindigkeit vorzutragen und den Thüringerinnen durch eine stabile Block- und Feldabwehr möglichst wenige einfache Punkte zu gestatten.
Besonders Helena Kuk setzte mit ihren kraftvollen Sprungaufschlägen immer wieder Akzente. Ihre Aufschläge brachten die Suhler Annahme mehrfach in erhebliche Schwierigkeiten. Auch Devyn Robinson entwickelte über die Außenposition und aus dem Hinterfeld enormen Angriffsdruck. Hinzu kamen die schnellen Angriffe von Marije ten Brinke durch die Mitte, auf die sich die Thüringer Blockspielerinnen nur schwer einstellen konnten.
Bemerkenswert war dabei weniger die Stärke einzelner Spielerinnen als vielmehr das nahezu fehlerfreie Zusammenspiel der gesamten Schweriner Mannschaft.
Wenn die Annahme nicht funktioniert
Für den VfB Suhl entwickelte sich die Partie zunehmend zu einer schwierigen Aufgabe. Immer wieder geriet die Annahme unter Druck. Selbst erfahrene Spielerinnen wie Emma Sambale und Svea Naujak fanden nicht die gewohnte Sicherheit. Auch Lucia Herdova, die noch dabei ist, sich in die Mannschaft einzufügen, hatte in einigen Situationen Schwierigkeiten, die druckvollen Aufschläge kontrolliert anzunehmen.
Die Folgen waren im gesamten Spielaufbau zu erkennen.
Wenn der erste Ball nicht präzise zur Zuspielerin gelangt, wird es schwierig, schnelle und überraschende Angriffe vorzubereiten. Genau dieses Problem begleitete die Thüringerinnen über weite Strecken der Begegnung.
Zu häufig mussten Angriffe aus ungünstigen Situationen erfolgen. Schwerin konnte sich darauf einstellen, den Block rechtzeitig positionieren und die Angriffsmöglichkeiten der Suhlerinnen entscheidend einschränken.
Und selbst wenn ein Angriff den Schweriner Block überwand, war die hervorragend organisierte Feldabwehr zur Stelle. Besonders die Libera der Gäste überzeugte mit sicherem Stellungsspiel und zahlreichen erfolgreichen Abwehraktionen.
So entstand ein Spielverlauf, in dem die Thüringerinnen zwar immer wieder um einzelne Punkte kämpften, aber kaum längere erfolgreiche Phasen entwickeln konnten.
Schwerin bestimmt das Geschehen
Bereits der erste Satz verdeutlichte die Kräfteverhältnisse. Nach einem zunächst ausgeglichenen Beginn gelang es den Gästen, die Thüringerinnen zunehmend unter Druck zu setzen. Während Schwerin mit druckvollen Aufschlägen, präzisen Angriffen und einer stabilen Abwehr immer wieder erfolgreich punktete, konnten die Suhlerinnen nicht im gleichen Maße dagegenhalten.
So vergrößerte sich der Vorsprung der Schwerinerinnen kontinuierlich. Jeder Versuch der Gastgeberinnen, den Rückstand zu verkürzen, wurde durch weitere erfolgreiche Aktionen der Gäste beantwortet. Schwerin ließ sich die Führung nicht mehr nehmen und entschied den ersten Durchgang schließlich mit 25:18 für sich.
Auch im zweiten Satz änderte sich das Bild kaum.
Trainer László Hollósy versuchte, seine Mannschaft neu auszurichten und mehr Stabilität in Annahme und Angriff zu bringen. Doch Schwerin blieb seiner Linie treu. Die Gäste agierten konzentriert, leisteten sich nur wenige Schwächephasen und ließen kaum erkennen, wie Suhl die Begegnung noch drehen könnte.
Besonders auffällig war die Fähigkeit der Schwerinerinnen, auf erfolgreiche Aktionen des VfB unmittelbar zu antworten. Gelang Suhl ein guter Angriff oder ein wichtiger Punktgewinn, folgte häufig schon im nächsten Ballwechsel die passende Antwort der Gäste.
Damit gelang es den Thüringerinnen nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen oder den Gegner über einen längeren Zeitraum unter Druck zu setzen.
Schwerin gewann auch den zweiten Satz mit 25:17.
Ein kurzer Hoffnungsschimmer
Im dritten Durchgang schien die Begegnung bereits früh in Richtung einer klaren Entscheidung zu laufen. Schwerin setzte sein druckvolles Spiel fort und führte zwischenzeitlich mit 12:7.
Doch plötzlich zeigte der VfB Suhl noch einmal jene kämpferischen Qualitäten, mit denen die Mannschaft in der vergangenen Saison so viele außergewöhnliche Erfolge gefeiert hatte.
Vier Punkte in Folge gelangen den Thüringerinnen. Aus einem deutlichen Rückstand wurde innerhalb weniger Augenblicke ein knappes 10:12.
Die Wolfsgrube erwachte noch einmal. Die Zuschauer spürten, dass sich vielleicht doch noch eine Möglichkeit eröffnen könnte, dem Spiel eine andere Richtung zu geben.
Es war jener kurze Moment, in dem Hoffnung aufkam und die Suhlerinnen wieder näher an den Gegner heranrückten.
Doch Schwerin ließ sich davon nicht beeindrucken.
Die Gäste fanden sofort zu ihrer Sicherheit zurück, erhöhten erneut den Druck und verhinderten, dass sich aus der Suhler Aufholjagd eine längere Erfolgsserie entwickelte.
Mit zunehmender Spieldauer wurde deutlich, dass die Schwerinerinnen an diesem Abend über die größere Stabilität und die besseren Lösungen verfügten.
Auch der dritte Satz ging schließlich deutlich mit 25:15 an die Gäste.
Eine Niederlage mit klaren Ursachen
Am Ende stand ein verdienter 3:0-Erfolg für den SSC Palmberg Schwerin. Die Gäste hatten in allen wesentlichen Bereichen des Spiels überzeugt. Ihre Aufschläge waren druckvoll, die Angriffe variabel, der Block stabil und die Feldabwehr hervorragend organisiert.
Vor allem aber gelang es ihnen, ihr taktisches Konzept nahezu über die gesamte Begegnung konsequent umzusetzen.
Für den VfB Suhl war es dagegen ein Abend, an dem zu viele Dinge nicht wie gewohnt funktionierten. Die Probleme in der Annahme wirkten sich unmittelbar auf den Spielaufbau aus. Dadurch fehlten im Angriff häufig die Möglichkeiten, die Schweriner Verteidigung ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.
Hinzu kam, dass die Gäste nur wenige eigene Fehler machten und damit kaum Gelegenheiten boten, über einfache Punktgewinne wieder ins Spiel zurückzufinden.
Die Niederlage war deshalb nicht allein das Ergebnis einer schwächeren Suhler Leistung. Sie war vor allem Ausdruck einer bemerkenswert geschlossenen und taktisch überzeugenden Vorstellung des SSC Palmberg Schwerin.
Eine Niederlage ist kein Rückschritt
So deutlich das Ergebnis auch ausfiel, es wäre falsch, daraus vorschnell grundsätzliche Zweifel an der Leistungsfähigkeit des VfB Suhl abzuleiten.
Die Mannschaft hat in den vergangenen Monaten Außergewöhnliches erreicht. Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, des DVV-Pokals und des Supercups hat sie Vereinsgeschichte geschrieben.
Doch der Erfolg einer Mannschaft zeigt sich nicht nur darin, wie sie Siege feiert. Er zeigt sich auch darin, wie sie mit Niederlagen umgeht.
Trainer László Hollósy und seine Spielerinnen werden aus dieser Begegnung wichtige Erkenntnisse mitnehmen müssen. Insbesondere die Stabilität in der Annahme, die Durchschlagskraft im Angriff und die Fähigkeit, auf gegnerischen Druck schneller zu reagieren, dürften dabei im Mittelpunkt stehen.
Vielleicht war dieses Spiel auch eine Erinnerung daran, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Niederlage im Spitzenvolleyball sein kann.
Schwerin hatte an diesem Mittwochabend die besseren Antworten auf nahezu alle Fragen, die das Spiel stellte.
Doch eines bleibt: Der VfB Suhl hat ein Volleyballspiel verloren – nicht seine Qualität, nicht seinen Zusammenhalt und schon gar nicht die Fähigkeit, aus schwierigen Situationen gestärkt hervorzugehen.
Die nächste Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, wird kommen.